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Ein Amuse de Gueule

Ein Amuse de Gueule.

Du bist das Salz in meiner Soße,
das kleines bisschen extra Pfeffer, unterm Arsch,
das Fünkchen Hoffnung, im dunklen der Nacht,
die Süße des Honigs,
du bist Feinsinn und einfach unfassbar geil,
du bist der perfekte Beat,
zu dem mein Herz so gerne tanzt,
du bist einzigartig du,
unverblümt lebendig,
ungestüm stützend
und jetzt wo mein Boot
kein Leck mehr hat,
auch ganz genau richtig. 

Die Fragen des Lebens

Habt ihr euch schon einmal im Spiegel spiegelnd angeschaut,
Und wirklich einmal hingeschaut,
die kleinen Fältchen hier und da – ja genau die da,
die farbigen Kugeln, links und rechts,
die manchmal wie Sterne funkelnd euren Gesichts-Himmel beleuchten,
und so manch anderes Mal, wie das schwarze Loch, dunkel und glanzlos, in ihren Höhlen hängen.
Habt ihr euch schon einmal im Spiegel angelächelt
Und wirklich einmal hingeschaut,
wie sich alles auf einmal wendet,
der Mensch, den ihr da seht, wie verzaubert.

Habt ihr, frage ich euch, einmal bewusst, mit jeder Faser eures Körpers, hingeschaut, ob ihr denn wirklich die seid, die ihr seien wollt?

Ist bei dem Anblick eurer selbst,
die Liebe geflossen aus eurem Herzen,
wie Lava aus einem Vulkan?
Könntet ihr mir sagen, dass ihr euch wirklich und wahrlich liebt,
und nicht verurteilt, weil ihr schon wieder den Regenschirm habt liegen lassen,
im Restaurant oder Café, am anderen Ende der Stadt?
Schaut ihr euch im Spiegel an,
und lächelt augenblicklich,
weil ihr eure Schönheit erkennt,
und vollauf zufrieden, mit euch selbst
und all dem Zubehör,
was da noch so hinzugehört, seid?
Ist hier einer von euch bis über beide Ohren in sich selbst verliebt
und kann nicht mehr ohne gehen?
Ist hier einer von euch, der nicht von einer Beziehung zur nächsten rennt,
hoffend darauf, geliebt zu werden, wahrlich und wahrhaftig und von Grund auf.
Ist hier einer von euch, der nicht insgeheim doch von seinem Gegenüber erwartet,
glücklich gemacht zu werden, weil er es selbst nicht ist?

Ich würde es euch wirklich wünschen.

Heute stehe ich hier vor euch
Und stelle euch all diese Fragen,
die ich mir auch selbst bereits gestellt,
auf der Suche nach der Wahrheit,
suchend nach Antworten.
Und ich will wissen,
also ich möchte es wirklich einfach nur hören,
ob nur ich es bin,
die sich so schwertut,
ob nur ich es bin,
die hinschaut,
da in diesen Spiegel der Wahrheit,
um dann doch nur vor lauter Furcht,
wieder wegzuschauen?

Das Leben fließt wie ein Fluss flüssig,
Es plätschert wie ein Bach nur so dahin
Wir, immer und immer wieder ein- und austauchend,
sehen gar nicht, wohin es geht.
Alles, was wir sehen ist, den Horizont da vorne,
zwischen Himmel und Erde,
dieser unendlich lange Strich, der teilt, zwischen oben und unten,
der Abstand, trennend, das hier von dem dahinten,
mich von euch, und euch von mir,
und irgendwann muss doch eh alles sein Ende haben,
sagen wir uns,
denn alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Unser Gehirn – der Hochleistungsmotor unseres Autos –
nutzen wir um immer wieder aufs Neue,
Entscheidungen zu treffen,
bei denen wir ständig und eigentlich nur, nach Kosten und Nutzen, bewerten.
Uns wird nicht ohne Grund die Rationalität nachgesagt,
doch ist es nicht sie, die uns des Öfteren rationiert?
Wir haben gelernt – nichts ist einfach im Leben,
wir müssen uns alles erkämpfen.
Aber vergessen wir denn nicht im kämpfenden Kampf,
das, was um uns herum – links, rechts, oben, und unten – passiert?
Vergessen wir nicht im Eifer des Gefechtes,
uns selbst, und all das, wofür wir eigentlich stehen?
Sind wir es nicht – das Ebenbild des Lebens?
Wieso leben wir denn nicht einfach mal wirklich?
Anstatt uns treiben zu lassen vom Strom der Gezeiten,
vom Chor der Masse, von den Stimmen der Anderen –
wie wäre es denn, wenn wir einmal schauen ins Innere unseres Selbst,
in das verborgene Tal, wovon so viele schon geschrieben, so viele schon gesprochen?
Nein, das ist doch viel zu viel Arbeit, viel zu viel Mühe,
aber alles, was es wirklich verlangt,
hinter dem Schleier unserer Selbstlügen,
ist Mut.
Und hat nicht Julia Engelmann – ihr erinnert euch doch noch an den Reckoning Text – schon gesagt,
dass Mut bloß ein Anagramm von Glück ist.
Wollen wir denn nicht glücklich werden?
Ist es nicht Glückseligkeit nach der wir, wie nach einer kalten Dusche am Ende eines heißen Sommertages, lechzen?
Sagt mir, wie fühlt sich das an,
dieses Leben im Hamsterrad?
Nennt ihr das Glückseligkeit?

In einer Zeit, in der alles auf die Wage gestellt, und abgewogen wird, bis auf das Gramm genau,
in der sich alles dreht um Ruhm, Geld, und Macht,
und rein gar nichts mehr sich kreist, nur in Liebe um sich selbst
kommt sich ein so mancher Mensch verloren vor.
Mensch, ich komme mir verloren vor.

Drum schaffe ich mir Raum für meine Stimme,
appelliere an eure Herzens-Stimme,
mit dem Wunsch – pochend wie der Herzschlag in meiner Brust –
dass wir anfangen,
jeder für sich,
sich zu lieben – selbst.

Ich bin nicht du
Aus all deinen Fasern,
ich bin nicht sie,
in all ihrem Wesen,
ich bin nicht er,
in all seinem Tun,
ich bin nicht ihr,
wie ihr denkt
nein, ich bin ich und niemand sonst!

Du und ich
Sitzend hier
Stumm und still
Ineinander schauend
Direkt zwischen Anfang und Ende stehend
Und du und ich
Stehend jetzt
Händchen wie Äste
Ineinander verzweigt
Ganz leise und still
Den Augenblick sprechend für sich

Die Zeit verstreichend,
tick tock,
wie ein Pfeiler,
wegweisend und stehend zwischen uns
tick tock,
wir sind zurück in der Vergangenheit der vertrauten Zweisamkeit,
kaum zu glauben, wie sie verstrich in die traurige Unendlichkeit
und die Zeit sie verstreicht,
zwischen uns nichts als leerer Raum,
ob wohl nochmal, so wie früher,
die Zeit, für einen Moment, stillsteht,
und ob wir ihn, in unserem Herzen, aufziehen können,
zu einem großen Ganzen,
zu einem Moment, der Ewigkeit,
getragen vom Fass unserer Liebe,
hin zum Ende der Welt,
du und ich,
hier in der Zweisamkeit,
so war es,
so ist es,
so wird es sein.

Weißt du wie das ist,
dir selbst ständig und immer wieder in den Rücken zu fallen?
Kennst du dieses, dein Gefühl,
wie ein kleiner Zwerg,
überschaut und unbeachtet,
am Wegesrand zu stehen
mit dem doch einzig und mit dem doch legitimen Wunsch im Herzen,
empor zu steigen
und für das gesehen zu werden,
was du wirklich bist,
ein wundervolles Wesen?
Ach, was wäre ich nur gerne ein kleines wenig größer,
was wäre ich nur gerne lauter
und zu guter Letzt, wie gerne würde ich einfach nur
unter der Masse der Normalen eintauschen,
um diesem stetig innerlichen Kampf auszuweichen,
Ach, was wäre ich nur gerne ein bisschen größer.

Hallo, alle zusammen.
Ich will euch ein Bild malen,
von einem Mädchen, namens Anna,
die in ihrem Leben oft Achterbahn gefahren,
aber nie wirklich drauf abgefahren ist,
sie war halt einfach nicht dieser typische Freizeitpark-Typ,
der total scharf darauf war,
ihren Nerv gekitzelt zu bekommen,
und noch weniger wollte sie sich,
ohne zu wissen, was da kommt,
ins Ungewisse begeben.
Ja, sie war halt einfach anders.
Hinten wie von vorne, A-N-N-A,
langweilig eintönig, eben kein abenteuerlustiger Mensch
und ein wenig eigenartig,
denn die Angst hielt sie in Ketten,
und ihr Herz, so zerbrechlich wie Glas,
musste konserviert werden.
So wollte sie sich doch lieber nur drinnen aufhalten,
im Reich des ihr Bekannten.
Das Leben da draußen,
viel zu beängstigend,
viel zu erschütternd in ihren Grundrissen.
Das Fundament, auf dem alles aufbaut, völlig inexistent,
und ihr Gebäude eine tickende Zeitbombe,
die jederzeit in die Luft gehen kann,
bei der kleinsten Windböe, und der geringsten tektonischen Regung.
Hey, sie fühlte sich einfach nicht stark genug.
Ihre Armee zu klein,
um gegen äußeren Einfluss standzuhalten;
zu schreckhaft,
um für sie in den Kampf zu stürzen.
Und so traute sich lange Zeit niemand mehr heranzutreten,
an ihre Mauern, in ihr Reich,
denn sie waren zu hoch gebaut, das Grundstück war zu verkommen.
Doch wie das Leben so spielt, eben nach Lust und Laune,
passierte im Frühjahr 2014 etwas Eigenartiges;
in einer Zeit, in der die Natur aus der Erde in die Höhe empor sprießte,
befand sich auch Anna’s Reich auf einmal im Wandel,
gegen all ihre Erwartungen, und entgegen all ihrer hoffenden Hoffnung,
wurde ihr Land mit ungläubigem Sonnenlicht beglückt,
die müden Straßen reckten und streckten sich,
und einige Ladenbesitzer nahmen wieder den Betrieb auf.
Anna fühlte sich wie ein neuer Mensch, so herrlich frisch erweckt,
Und beschloss nun also,
ihre Mauern einzuschlagen,
einen Deal mit dem Leben zu schließen und einen entsprechenden Vertrag zu unterzeichnen,
indem sie hoch und heilig bekehrte,
dass sie sich von nun an liebevoll um ihr Reich kümmern werde,
und ihre Angst über Bord werfen würde,
denn sie wünschte sich nichts Sehnlicheres als Leben
und dass die Menschen wieder einkehrten.
Und so vergingen einige Jahre,
und Anna realisierte mit jedem Tag mehr,
dass die Welt da draußen gar nicht so verängstigend war,
wie sie das angenommen hatte,
dass die Menschen da draußen gar nicht so anders waren,
als sie, und dass es sich gemeinsam viel farbenfroher Leben lässt.
Das fabelhafte Leben der Anna.