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Habt ihr euch schon einmal im Spiegel spiegelnd angeschaut

Habt ihr euch schon einmal im Spiegel spiegelnd angeschaut,
Und wirklich einmal hingeschaut,
die kleinen Fältchen hier und da – ja genau die da,
die farbigen Kugeln, links und rechts,
die manchmal wie Sterne funkelnd euren Gesichts-Himmel beleuchten,
und so manch anderes Mal, wie das schwarze Loch, dunkel und glanzlos, in ihren
Höhlen hängen.
Habt ihr euch schon einmal im Spiegel angelächelt
Und wirklich einmal hingeschaut,
wie sich alles auf einmal wendet,
der Mensch, den ihr da hineinschauen seht – wie verzaubert.

Habt ihr, frage ich euch, einmal bewusst, mit jeder Faser eures Körpers, hingeschaut, ob ihr denn wirklich die seid, die ihr seien wollt?

Ist bei dem Anblick eurer selbst,
die Liebe geflossen aus eurem Herzen,
wie Lava aus einem Vulkan?
Könntet ihr mir sagen, dass ihr euch wirklich und wahrlich liebt,
und nicht verurteilt, weil ihr schon wieder den Regenschirm habt liegen lassen,
im Restaurant oder Café, am anderen Ende der Stadt?
Schaut ihr euch im Spiegel an,
und lächelt augenblicklich,
weil ihr eure Schönheit erkennt,
und vollauf zufrieden seid, mit euch selbst
und all dem Zubehör,
was da noch so hinzugehört?
Ist hier einer von euch bis über beide Ohren in sich selbst verliebt
und kann nicht mehr ohne gehen?
Ist hier einer von euch, der nicht insgeheim doch von seinem Gegenüber erwartet,
glücklich gemacht zu werden, weil er es selbst in diesem Moment, hier und jetzt gerade,
einfach nicht ist?

Ich würde es euch wirklich wünschen.

Heute stehe ich hier vor euch
Und stelle euch all diese Fragen,
die ich mir auch selbst bereits gestellt,
auf der Suche nach der Wahrheit,
suchend nach Antworten.
Und ich will wissen,
also eigentlich möchte ich es wirklich einfach nur hören,
ob nur ich es bin,
die sich so schwertut,
ob nur ich es bin,
die hinschaut,
da in diesen Spiegel der Wahrheit,
um dann doch nur vor lauter Furcht,
wieder wegzuschauen?

Das Leben fließt wie ein Fluss flüssig,
Es plätschert wie ein Bach nur so dahin
Wir, immer und immer wieder ein- und austauchend,
sehen gar nicht, wohin es geht.
Alles, was wir sehen ist, den Horizont da vorne,
zwischen Himmel und Erde,
dieser unendlich lange Strich, der teilt, zwischen oben und unten,
der Abstand, trennend, das hier von dem dahinten,
mich von euch, und euch von mir,
und irgendwann muss doch eh alles sein Ende haben,
sagen wir uns,
denn alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei.
Unser Gehirn – der Hochleistungsmotor unseres Autos –
nutzen wir um immer wieder aufs Neue,
Entscheidungen zu treffen,
bei denen wir ständig und eigentlich nur, nach Kosten und Nutzen, bewerten.
Uns wird nicht ohne Grund die Rationalität nachgesagt,

  • doch ist es nicht sie, die uns des Öfteren rationiert?
    Wir haben gelernt – nichts ist einfach im Leben,
    wir müssen uns alles erkämpfen.
    Aber vergessen wir denn nicht im kämpfenden Kampf,
    das, was um uns herum – links, rechts, oben, und unten – passiert?
    Vergessen wir nicht im Eifer des Gefechtes,
    uns selbst, und all das, wofür wir eigentlich stehen?
    Sind wir es nicht – das Ebenbild des Lebens?
    Also, wieso leben wir denn nicht einfach mal wirklich?
    Anstatt uns treiben zu lassen vom Strom der Gezeiten,
    vom Chor der Masse, von den Stimmen der Anderen –
    wie wäre es denn, wenn wir einmal schauen ins Innere unseres Selbst,
    in das verborgene Tal, wovon so viele schon geschrieben, so viele schon gesprochen?
    Ach nein, das ist doch viel zu viel Arbeit, viel zu viel Mühe,
    aber alles, was es wirklich verlangt,
    hinter dem Schleier unserer Selbstlügen,
    ist Mut.
    Und hat nicht Julia Engelmann schon gesagt,
    dass Mut bloß ein Anagramm von Glück ist.
    Wollen wir denn nicht glücklich werden?
    Ist es nicht Glückseligkeit nach der wir, wie nach einer kalten Dusche am Ende eines heißen
    Sommertages, lechzen?
    Sagt mir, wie fühlt sich das an,
    dieses Leben im Hamsterrad?
    Nennt ihr das Glückseligkeit?

In einer Zeit, in der alles auf die Wage gestellt, und abgewogen wird, bis auf das Gramm genau,
in der sich alles dreht um Ruhm, Geld, und Macht,
und rein gar nichts mehr sich kreist, nur in Liebe um sich selbst
kommt sich ein so mancher Mensch verloren vor.
Mensch, ich komme mir so verloren vor.

Drum schaffe ich mir Raum für meine Stimme,
appelliere an eure Herzens-Stimme,
mit dem Wunsch – pochend wie der Herzschlag in meiner Brust –
dass wir anfangen,
jeder für sich,
sich zu lieben – selbst.